Pressestimmen
- CD-Kritik Paulus, Tiroler Tageszeitung, 23. Dezember 1995
- Konzertkritik Mozart c-Moll-Messe, Tiroler Tageszeitung, 8. April 1998,
- Konzertkritik Elias, Tiroler Tageszeitung, 27./28. März 1999
- Konzertkritik 5. Symphoniekonzert, Tiroler Tageszeitung, 17./18. Februar 2001
- Konzertkritik A cappella Konzert mit doppelchörigen Werken, Tiroler Tageszeitung, 25. Juni 2001
- Konzertkritik Schöpfung, Tiroler Tageszeitung, 11. Oktober 2001, Ostthüringer Zeitung, 24. September 2001
- Konzertkritik Brahms - Ein deutsches Requiem, Tiroler Tageszeitung, 5. Mai 2002
- Konzertkritik Totentanz, Tiroler Tageszeitung, 2. Dezember 2002
| Klare Fanfaren und bewegte Phrasen | ||
| Collegium vocale sang in Innsbruck Chormusik aus drei Epochen | ||
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Anspruchsvollste Chorliteratur aus drei Epochen
sang das Innsbrucker Collegium vocale
bei seinem Konzert in der Innsbrucker
Pfarrkirche St. Nikolaus und war bei Motetten
aus der Barockzeit von Monteverdi, Schütz und
J.S. Bach ebenso stilsicher, sattelfest und
ausdrucksstark wie bei romantischen Werken von
Mendelsohn-Bartholdy, Bruckner, Rachmaninow und
Reger sowie bei Chorsätzen des 20. Jahrhunderts
von Maurice Durufleé, Hugo Distler, Benjamin
Britten und Petr Eben. Mit seinem Leiter Bernhard Sieberer hat das Collegium vocale zu einer überaus beweglichen und präzisen Singweise gefunden, die große Variabilität in der Gestaltung ermöglicht. |
Die Läufe in der Bach-Motette "Lobet den Herrn
in seinen Taten" quellen in schäumender
Begeisterung; die Steigerungen in der
Bruckner-Motette "Os justi" werden drängend, mit
symphonischer Klangwucht entwickelt; oder die
rhythmischen Floskeln in Brittens "Rosa mystica"
dringen wie Fanfarenstöße durch. Und trotz
dieser extremen Gestaltungen wirkt der Gesang
nie angestrengt und gerät nie außer
Kontrolle. Sieberer kann eine Fülle von Details
modellieren, die geforderte Vielfalt wird von
jeder Stimmgruppe beweglich umgesetzt. Klanglich fällt bei Collegium vocale der strahlende, helle Grundcharakter auf, die Vermeidung breit schwingender Vibrati wirkt sich wohltuend auf Klar- und Reinheit der Tongebung aus. |
Nicht der Stimmdruck erzeugt dynamische
Vergrößerungen, sondern die musikalische Bewegung,
die mitgedachte, -gefühlte und -geatmete Phrase. In Duruflées Choralbearbeitung "Ubi caritas et amor" schien sich aufgrund der stimmlichen Ausdrucksstärke Orgelklang zu verbreiten. Beeindruckend auch die weihevoll-getragene Stimmung in Mendelssohns "Richte mich, Gott" und in Rachmaninows "Ave Maria". Verblüffend die Sicherheit der Intonation und die Schichtung der gefährlich dissonanten Akkordfelder in Regers "O Tod, wie bitter bist du" - A-cappella-Gesang auf höchstem Niveau. Rainer Lepuschitz |
| Erregender Wandel von Saulus zum Paulus | |||
| Jubiläums-CD des Collegium vocale Innsbruck mit Mendelssohns biblischem Oratorium "Paulus". | |||
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Nicht eindrucksvoller hätte der Kammerchor Collegium vocale Innsbruck sein 10jähriges Bestehen feiern können als im Sommer mit der Aufführung von Felix Mendelssohns großartigem Oratorium "Paulus" in der Wiltener Stiftskirche. Das Ereignis wurde in einem Live-Mitschnitt festgehalten. CD-Cover und Textheft zieren Darstellungen |
des Wiltener Paulus-Altars aus
dem 15. Jahrhundert. Das große Vorbild Bach erweist sich bei Mendelssohn an der großen Form, an den lebendigen Wechseln der dramatischen "turbae" und der kontrapunktischen Arbeit in den Fugen. Klanglich jedoch findet der Romantiker Mendelssohn zu eigenster Tonsprache und Ausdruckskraft, der die Interpreten mit weichem, sehr homogenem, dabei stets durchsichtigem Klangbild und erregender Dynamik gerecht werden. |
Sieberer hat nicht nur den Chor mustergültig
studiert, sondern läßt auch die Streicher des
Wiener Kammerorchesters geschmeidig singen und
von den beteiligten Tiroler Bläsern und Pauken
klangmächtig unterstützen. Nicht zuletzt sichern hervorragende Solisten den Rang dieser Einspielung. Wird schon durch die zwischen Sopran und Tenor aufgeteilte Rolle des rezitativischen Erzählers große Lebendigkeit erzielt, |
so vermittelt der Baß Wolf Matthias Friedrich mit seiner Wandlung vom Saulus zum Paulus, dazu das Solistenquartett mit dem kristallklaren Sopran der Cornelia Hosp, der Altistin Barbara Hölzl, dem Tenor Christer Bladin und dem Baß Cornelius Hauptmann dramatische Höhepunkte der biblischen Geschichte, aber auch Mendelssohns tiefes religiöses Anliegen mit Eindringlichkeit. Eine stolze Leistung für das Collegium vocale und die nachschöpferische Energie seines Leiters! |

| In bewegender Klangpracht | ||
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Immer deutlicher kristallisieren sich
Bernhard Sieberers Vokalgruppen als heimische
Spitzenchöre heraus. In den beiden Domkonzerten
leisteten sie Prächtiges. INNSBRUCK. Der Kammerchor Collegium vocale Innsbruck und das Vokalensemble Vocappella stimmten ihr eindrucksvolles Passionsprogramm mit drei A-cappella-Psalmen für achtstimmigen gemischten Doppelchor und Solisten von Felix Mendelssohn gleich auf hohem Niveau an; |
trotz romantischer Tonfülle war die Transparenz
eines lupenreinen Klangbildes immer gewahrt, auch
steht der Präzisionsanspruch dem gestalterischen
Element nie im Wege. Im 22. Psalm machte Tenor
Johannes Chum die Einsamkeit Jesu bewegend
fühlbar. Eine Kostbarkeit war auch der packend dargestellte Teil "Die Leiden Christi" aus Mendelssohns Oratorium "Christus". Wieder steht der Tenor, hier als resignierender Pilatus, allein gegen das aufgebrachte "Volk"; hinzu kam die Cappella Istropolitana mit lebendigen Orchesterfarben. |
Das dramaturgisch schlüssige Programm gipfelte in Mozarts großer c-Moll-Messe KV 427, in der sich Chören und Orchester vier Solostimmen zugesellten; die Sopranistinnen Maya Boog und Brigitte Geller erwiesen hohe Kunst an den so innigen wie bravourösen Soli, im "Et incarnatus" mit berückenden Fiorituren von Flöte und Oboe, in den Ensembles mit Johannes Chum und dem Baß Ralf Ernst. Imponierenden Glanz strahlten die großartigen Fugen aus: Da blieb sogar im minutiösen polyphonen Geflecht und auch im virtuosen Tempo der Hosanna-Doppelfuge noch Kraft zur Gestaltung, zu lebendig differenziertem Ausdruck. |

| Das Collegium vocale unter Bernhard Sieberer mit Mendelssohns "Elias" in Wilten | |||
| Hymnus der Gottesfürchtigkeit | |||
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Pionierarbeit für Mendelssohn leisteten
Bernhard Sieberer und sein Innsbrucker
Kammerchor Collegium vocale mit dem packenden
Oratorium "Elias"
INNSBRUCK. Schon mit dem früheren geistlichen Oratorium "Paulus" hatte sich die Singgemeinschaft für das hierzulande viel zu wenig bekannte Vokalschaffen Felix Mendelssohns eingesetzt. Und nun der "Elias": ein bedeutendes Werk, |
mit dem der Komponist seine
musikgeschichtliche Brückenstellung zwischen Bach
und der Romantik befestigte. Es ist ein
dramatisches Werk, dessen opernhaften Touch vor
allem im ersten Teil die ungemein suggestive
Aufführung noch unterstrich, während der
kontemplativere zweite in seiner verinnerlichten
Darstellung berührte. Bernhard Sieberer ist nicht nur ein exzellenter Chorerzieher, sondern weiß seine perfekt studierten Sänger auch zu "inszenieren": Die dreiseitige Aufstellung rund um das Orchester Cappella Istropolitana sorgte für prächtigen Raumklang, den seine leidenschaftliche |
Interpretation mit Intensität erfüllte. Dazu hatte Sieberer acht Solisten gewonnen, die mit farbigen Qualitätsstimmen den Spannungsbogen über zweieinhalb Stunden zu halten vermochten. Ausdrucksstark wußten sie den Charakteren Kontur zu geben, an der Spitze der Baß Peter Lika als streitbar gottesfürchtiger Elias, der die alttestamentarischen Prophetenworte mit glutvollem Engagement und virtuoser Beweglichkeit sang. Aber auch die beseelte Maya Boog, der in hohen Lagen sichere Sopranist Jörg Waschinski, die warme Altstimme der Barbara Hölzl |
und der Tenor Johannes Chum sowie in kleineren
Partien Markus Forster, Bernd Lambauer und Markus
Volpert waren vom heiligen Feuer des Stoffes
durchdrungen. Höhepunkte wie das Doppelquartett
oder das Engelterzett - es kam von der Kanzel
herab - bleiben in Erinnerung. Zum Gesamteindruck trug die Cappella Istropolitana mit disziplinierten Streichern und Bläsern wesentlich bei, prächtig die Celli in der großen Elias-Arie "Es ist genug". Die Glaubensstärke, die Mendelssohn hier so inbrünstig vertont hat, teilte sich bewegend mit. |
| Symphoniekonzert mit zwei Dirigenten | |
| Die Klänge des Meeres | |
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MD Georg Schmöhe hatte dem 5.
Abonnementkonzert ein poetisches Thema
gegeben: das Meer. Gesungen und in unendlichen
Orchesterfarben musiziert, wogte und glitzerte
es im vollen Saal Tirol.
INNSBRUCK. Schon zum "Vorkonzert" kamen beachtlich viele Besucher und erfreuten sich am Wohlklang des Kammerchors collegium vocale Innsbruck und des Vokalensembles Vocappella, die unter der Leitung von Bernhard Sieberer eine Meerfahrt durch die Musikgeschichte unternahmen. Geistliche a-cappella-Gesänge von Monteverdi und Schütz, Samuel Barber und Hugo Wolf zeigten den Chor in alter Mehrstimmigkeit so homogen wie im subtilen Ausdruck. Seltener aufgeführte Chorlieder mit Klavier (Annette Seiler begleitete stilvoll) von Brahms und Schubert vermittelten romantische Klangfülle bei dennoch schlanker Beweglichkeit. Mit Schubert und Rossini war man zuletzt in Venedig und ließ sich auf den kleinen Wellen der Lagune schaukeln. Auch ins "Hauptkonzert" leiteten die kultivierten Chorstimmen über, um nun gemeinsam mit dem Innsbrucker Symphonieorchester Beethovens lautmalerische Goethevertonung "Meeresstille und glückliche Fahrt" op. 112 im Kontrast der Elemente darzustellen, den Sieberer klar herausarbeitete: der "Todesstille, fürchterlich", und dem rettenden, frischen Wind, wie er endlich die Segel zur Heimfahrt bläht. |
Nur wenige Jahre später hat auch Mendelssohn
diesen Goethetext vertont, aber trotz klassischer
Form ist seine Ouvertüre op. 27 romantischer,
weicher, ja verspielter, wie MD Schmöhe es
eindrucksvoll demonstrierte. Schmöhes Hauptinteresse aber galt in diesem Programm französischer Musik aus der Zeit um 1900, für deren aparte Klangwelt er einmal mehr seine bezwingende Hand bewies. Ernest chaussons sehnsüchtig-melancholisches "Poème de l'Amour et de la Mer", dessen Stimmungen stark an Messenets "Werther" erinnern, fand in Michelle Breedt eine hochsensible Interpretin. Ihr expressiver Mezzosopran lotete die schwärmerischen Gefühle von Liebeserwartung und verwelkten Hoffnungen mit starker Intensität aus und verschmolz perfekt mit den sinnlichen Orchesterfarben, die auch in Maurice Ravels "Une barque sur l'océan" in wunderbar fließenden Mischungen das wogende Meer veranschaulichten. Höhepunkt war zuletzt Debussys geniales Tongemälde "La Mer", dessen suggestive Stimmungen von der Morgendämmerung bis zum aufbrechenden Strahlen der Sonne, dessen Spiel des Lichts mit den Wellen Schmöhe mit dem in Hochform spielenden Orchester kongenial umzusetzen wusste: Im Raffinement der an- und abschwellenden Wogen, in der Transparenz der delikaten Instrumentierungskunst Debussys, der er hinreißende Wirkungen abgewann. |
| Zwei Chöre im homogenen Miteinander | |
| Reiner Wohllaut | |
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Das "Collegium Vocale" und "Vocapella" zählen zu
den besten Chören Tirols. Unter Bernhard Sieberers Leitung
glänzten sie in der Stiftskirche Wilten gemeinsam mit
doppelchörigen Meisterwerken.
INNSBRUCK (hau). Bernhard Sieberer hat in den letzten Jahren beide chöre zu kompakten Klangkörpern von enormer Tonfülle geformt. Perfekte Intonation und ausgewogene Homogenität innerhalb der einzelnen Stimmgruppen sind bezeichnend für beide Chorgemeinschaften. Programm wie Darbietung waren Anschauungsunterricht in zweifacher Hinsicht: Einmal galt es die Entwicklung des doppelchörigen Gesanges in Hand von fünf Beispielen aus verschiedenen Stilepochen nachzuvollziehen, und zum anderen durchwegs reinsten Wohllaut und perfekte Chorarbeit zu goutieren. Heinrich Schützs "Singet dem Herrn ein neues Lied", nach Psalmtexten reicht an Bildern und Vergleichen, |
wurde sehr anschaulich und plastisch
gedeutet. In "Ave maris stella" von Claudio
Monteverdi, einem Musterbeispiel subtiler
Balancierung und theatralischer Dramatik, war
grßer Atem und feinsinnige musikalische
Umsetzung spürbar. Eine Spur mehr Dramatik hätte
vielleicht Johann Sebastian Bachs Version des
Psalm Davids, "Singet dem Herrn ein neues Lied",
vertragen. Ordnung und Klarheit zeichnet das
Werk von Maurice Durufle aus. Beides wurde
wunderbar realisiert. Aufgeladen mit
Chromatizismen, war Benjamin Brittens "A Hymn to
the Virgin" ein prickelndes Erlebnis. Die dichtgewebte, akkordische Faktur und die vom Sprachrhythmus bestimmte Rhythmik in der Messe für zwei vierstimmige Chöre von Frank Martin erlebte harmonische Auffächerung, expressiv und transparent. Diese Messe wie auch das übrige Programm werden Vocapella und das Collegium Vocale am 15. Juli, 10 Uhr, bei den Tiroler Festspielen Erl aufführen. |
| Erschaffung der Welt mit Verstand und Gefühl | |
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Das Collegium Vocale sang unter Bernhard
Sieberers Leitung Joseph Haydns "Die Schöpfung": In
der Stiftskirche Wilten un der Kufsteiner
Pfarrkirche Sparchen.
INNSBRUCK/KUFSTEIN (hau). Von Bernhard Sieberer weiß man, dass ihm Partiturtreue, Genauigkeit, Transparenz und Kufstein ebenso wichtig sind wie Emotionen. Diese Eigenschaften überträgt er auch auf sein "Collegium Vocale". Dass es sich bei seinem Ensemble um eine Amateur-Formation handel, lässt die Leistungen in noch hellerem Licht erscheinen. Geschickt in der Auswahl der Solisten, Maya Boog (Sopran), Steve Davislim (Tenor), Anton Scharinger (Bass) und in der Wahl des Orchesters, der Vogtland Philharmonie, machten sie "Die Schöpfung" zum Erlebnis. |
Selbstbewusst, aber ökonomisch beginnend, steigerte sich die Schweizerin Maya Boog in mühelosen Koloraturen zu hinreißend miterlebten Arien. Seinen sonoren Bass unterwarf Anton Scharinger einer exakten Kontrolle der Intonation, wundervoll abgerundet in Rezitativen und Arien. Nicht weniger solid der australische Tenor Steve Davislim. Getragen von Innerlichkeit, hatte er auch keine Angst vor großen Gefühlen. Sehr schön zeigte sich die Homogenität der Solisten in den Duetten und Terzetten. Dynamisch und rhythmisch wohldosiert zeigte sich die Vogtland Philharmonie mit schönem Holz, gediegenen Streichern, nur manchmal sich etwas vordrängendem Blech. Mit sicherem Gefühl für Steigerungen, Zäsuren, Ritartandi und Phrasierungen animierte Sieberer sein Ensemble zu einer straffen, in sich stimmigen, beredten Wiedergabe von Haydns Meisterwerk. |
| Meisterwerk in Zeulenroda aufgeführt | |||
| Zeulenrodaer Dreieinigkeitskirche idealer Ort für "Die Schöpfung" von Joseph Haydn | |||
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Zeulenroda. Schon die ersten Töne des Oratoriums "Die Schöpfung" von Joseph Haydn erfüllten die Dreieinigkeitskirche in Zeulenroda mit Glanz und musikalischer Fülle, was die Zuhörer begeistert fesselte. Nicht nur, dass Haydn mit dem Oratorium ein Meisterstück schuf, welches zu den bedeutendsten der gesamten Musikgeschichte gehört, die hohe Qualität des Dargebotenen und die Dreieinigkeitskirche mit ihrer Akustik setzten noch einen zusätzlichen Akzent des ohnehin schon großen Musikgenusses. Der Innenraum erstrahlte, wenn der Innsbrucker Chor sang, wenn die Greiz-Reichenbacher Philharmonie zum Einsatz kam. |
Oder wenn die Solisten Arien, Chorsätze oder
Rezitative des Meisterwerkes sangen. Einen besseren
Ort für "Die Schöpfung" von Joseph Haydn hätte die
Stadtverwaltung Zeulenroda als Veranstalter nicht
wählen können. Unter Leitung von Bernhard Sieberer aus Innsbruck musizierten die Vogtland-Philharmonie Greiz-Reichenbach und der Kammerchor Collegium vocale Innsbruck. Einige der Zuhörer hatten in ihrem Gepäck Notenbücher, wollten das Musikstück und deren Umsetzung bis ins kleinste Detail verfolgen und waren dann doch am Ende so fasziniert, dass alle Noten- und Librettoblätter einfach vergessen wurden. |
Von der Erschaffung der Welt "berichteten" die Erzengel Gabriel (Maya Boog, Sopran), Uriel (Hans-Peter Blochwitz, Tenor) und Raphael (Wolf-Matthias Friedrich, Bass) sowie die himmlischen Heerscharen (Kammerchor Collegium vocale Innsbruck). Die drei Teile über die Schöpfungstage wurden durch die instrumentalen Klangeffekte der Philharmonie Greiz-Reichenbach eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die Sopranistin Maya Boog aus der Schweiz studierte in Luzern und Köln Gesang und Kirchenmusik. Ihr stimmkräftiger Kollege Hans-Peter Blochwitz (Uriel) aus Wien ist bereits ein gefragter Opern- und Konzertsänger. Bereits 1984 hatte Blochwitz sein Bühnendebut in Frankfurt. |
Ebenso der gebürtige Vogtländer Wolf-Matthias
Friedrich (Raphael). Er hatte an der Hochschule
"Felix Mendelsohn Bartholdy" in Leipzig Gesang
studiert. Als Konzert und Liedsänger nahm er an
zahlreiche Festivals teil. Zaruhi Stambolcjan am
Cembalo komplettierte das Ensemble der Solisten in
diesem großartigen Konzert. Am 28. September wird es im Theater Greiz ein Festkonzert zum zehnjährigen Bestehen des Fördervereins der Vogtland-Philharmonie geben. Vom 5. bis 8. Oktober wird dann die Vogtland-Philharmonie Greiz-Reichenbach erneut Haydns "Schöpfung" aufführen - dann im österreichischen Innsbruck und in Kufstein. |
| Die Seligkeit und nicht das Leid im Blick | |
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Einer lichten Konzeption folgend, hatte Bernhard Sieberer und das Collegium Vocale mit Brahms Requiem mehr Seligkeit als Leid im Blick. INNSBRUCK. Bernhard Sieberer versteht es wie kaum ein zweiter, verschiedene Chöre mit ihnen unbekannten Orchestern für ein Projekt zusammen zubringen. Im konkreten Fall war es das von ihm geleitete Collegium Vocale, der von Ingrun Fussenegger einstudierte Wiener Motettenchor und die aus tschechischen und slowakischen Musikern bestehende Capella Istropolitna, welche mit Johannes Brahms "Ein deutsches Requiem” am Wochenende in der Stiftskirche Wilten mehr die Seligkeit denn das Leid im Blick hatten. Während so manch anderer Dirigent mit behäbig breitem Zeitmaß Endzeitstimmung und das Jüngste Gericht beschwört, setzt Sieberer auf lockere Tempi, darauf bedacht, hoffnungsfrohes Ewiges Leben zu beschwören. |
Chöre, Solisten und Orchester fügen sich in die froh
stimmende lichte Konzeption. Lediglich Bass-Bariton
Wolf Mathias Friedrich verfällt unnotwendigerweise
etwas ins Theatralische. Seiner stimmlichen Qualitäten
wurde man sich dennoch in jedem Takt gewahr. Die zierliche italienische Sopranistin Patrizia Cigna zelebriert ihren Part mit makelloser vibrationsfreier Stimme, trifft stets den angemessenen Tonfall zwischen verhaltener Expressivität, Nachdenklichkeit und weltentrückter Verklärtheit. Die ewige Sicherheit versinnbildlichende Musik macht sie zu tiefst erfühlbar. Den Ton, der aus sich heraus leben muss, der zum Symbol des inneren Lichtes wird, den treffen auch die bestens einstudierten Chöre und das Orchester. Bernhard Sieberer führte SängerInnen und ein klangschönes Orchester unprätentiös aber mit klar gezeichneten Vorstellungen durch diese große Musik. |
| Honoratioren, gereiht zum Totentanz | |
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Mit einem Totentanz beendete das Collegium Vocale den November. Prominente Sprecher nahmen die Ermahnungen des Knochenmannes hin. INNSBRUCK. Der Tod ruft sie alle: "Zum Tanz, zum Tanze reiht euch ein: Kaiser, Bischof, Bürger, Bauer, arm und reich und groß und klein..." Hugo Distler, der sich 1942 das Leben nahm, montierte in seinem "Totentanz" gesprochene Dialoge zwischen Tod und Mensch mit vertonten Spruchversen von Angelus Silesius. Klaus Rohrmoser, einziger Professional unter den Sprechern, ruft als Tod von der Kanzel herab. Und sie kommen, angstvoll-reuig angesichts der Todesstunde, geben in kraftvoller Naivität ("O Tod, dein jäh Erscheinen friert mir das Mark in den Gebeinen") standeseigenen Gefühlen Ausdruck und werden abgemahnt. In barockem Glaubensrealismus wurden honorige Bürger zur Vertretung ihrer Zunft eingeladen und machten mit: Wendelin Weingartner als Kaiser, Abt Raimund Schreier als Bischof, Casino-Direktor Hannes Matheowitsch als Edelmann, |
Landessanitätsdirektor Christoph Neuner als Arzt, Wirtschaftsbund-Obmann Jürgen Bodenseer als Kaufmann, Militärkommandant Herbert Bauer als Landsknecht, Atlantiküberquerer Friedemann Czerny als Schiffer, Schwester Margareta An der Lan als Klausnerin und Landwirtschaftskammerpräsident Ludwig Penz als Bauer. Den Greis sprach Peter Unterassinger, die Jungfrau Christina-Maria Gress und Angelika Seeber (5) das Kind. Die Ernsthaftigkeit dieses von Bernhard Sieberer sehr geschlossen programmierten Konzertes in der Stiftskirche stellte das inhaltliche Anliegen vor die Prominentenschau. Das Collegium Vocale sang mit seraphischer Reinheit und Klangschönheit. Chorisch nicht ganz so ungetrübt waren anfangs die "Musikalischen Exequien" von Heinrich Schütz erklungen, eine Begräbnismusik wie jene Henry Purcells für Queen Mary, die den Totantanz schloss: In intensiver, äußerlich kargerer Schmerzlichkeit der Deutsche, der Engländer einzigartig im aufgelösten Widerspruch prachtvoller Kontemplation. Wie immer hatte Sieberer angemessene, stilistisch kundige Solisten- und Instrumentalensembles verpflichtet. |
